Was passiert, wenn nichts passiert? Dramatische Kürzungen bei der Offenen Jugendarbeit
Jugendarbeit ist keine freiwillige Leistung (dem Grunde nach, nicht nach Qualität und Quantität).
Das Jugendamt hat zu einem interfraktionellen Arbeitskreis eingeladen (Die Linken sind zu den beiden Sitzungen meines Wissens nicht gekommen). Die Verwaltung sagt 1.: Wir möchten, dass Teile der Jugendarbeit von freiwilligen Leistungen zu Pflichtaufgaben werden, insbesondere die Arbeit in den sozialen Problemgebieten Bockenberg, Hermann Löns und Gronau. Diese Aufgaben sollen in den Bereich Hilfen zur Erziehung eingegliedert werden - das scheint mir zuerst einmal in Ordnung zu sein.
2. Die Verwaltung möchte, dass Offene Jugendarbeit generell nur noch für Jugendliche ab 15 Jahren finanziert wird. Der Rest soll über die Schulen, OGATAS, abgedeckt werden (ganztägige Betreuungsangebote bis 14 Jahre). Dies hält Detlef Schnöring, jugendpolitischer Sprecher der grünen Stadtratsfraktion, zumindest für schwierig: „Hierbei wird die Freizeit verschult, sie findet auch hauptsächlich in den Räumen der Schulen statt. Jugendhilfe und Schulen arbeiten nicht gleichberechtigt, sie sind nicht auf Augenhöhe!"
Frage: Was passiert, wenn nichts passiert? Wenn die Politik in Bergisch Gladbach nicht selbständig handelt, wird die Entscheidung an den Landrat abgegeben. Die 10 %ige jährliche Kürzung bis 2014 wird bestehen bleiben, und Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit müssen schließen. Laut Verwaltungsvorlage sind das 4 von 7 Einrichtungen!
Der zuständige Jugendhilfeausschuss hat die Verwaltung für die beiden Aufgabenfelder „Offene Kinder- und Jugendarbeit" und „Tagesbetreuung für Schüler/innen der Sekundarstufe I bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres" beauftragt, mit den Freien Trägern das erforderliche Beratungs- und Planungsverfahren für ein beide Aufgabenfelder beinhaltendes Konzept inklusive dessen Finanzierungsmöglichkeiten kurzfristig umzusetzen. An dem Beratungs- und Planungsverfahren sollen die Fraktionen (Interfraktioneller AK) und die Schulleitungen der weiterführenden Schulen frühzeitig beteiligt werden. Bei diesem Beschlussvorschlag hat Detlef Schnöring mit Ja gestimmt. Er sagt: „Eine Kürzung in diesem wichtigen Bereich ist für mich nicht in Ordnung. Es ist mal wieder eine Frage des politischen Willens, man kann auch woanders Mittel kürzen. Dazu bedarf es einer sorgfältigen Prüfung und Bewertung aller Aufgaben der Stadt."
Die Träger der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Bergisch Gladbach wehren sich in einem Offenen Brief vehement gegen die Kürzungen, dagegen, dass zukünftig nur noch 3 Einrichtungen weiter existieren sollen und dagegen, dass für die Jüngeren kein Angebot in den Jugendzentren mehr vorgesehen ist. Sie stellen richtig fest, dass „eine solche Vorlage mit so weitreichenden Konsequenzen für die Jugendhilfe...mit uns als Träger...hätte besprochen werden müssen!" „Die Offene Kinder- und Jugendarbeit musste seit 2002 schon 30 % Kürzungen der Mittel hinnehmen... Die Enquetekommission für eine effektive Präventionspolitik des Landes Nordrhein-Westfalen hat in ihrem Bericht vom März dieses Jahres deutlich gemacht, dass jeder Euro in der Jugendhilfe langfristig 3 Euro an Folgekosten spart."
Also, lieber Stadtrat und liebe Stadtverwaltung, spart bitte nicht am falschen Ende!
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Trier
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