Nachtflüge: Fünf vor Zwölf

Ein Hearing zum Nachtflug auf der „Königsforstroute“ lieferte am Mittwoch zwei Erkenntnisse. Erstens: Der Fluglärm und der Leidensdruck wachsen. Zweitens: Die Nachtflugerlaubnis für den Flughafen Köln-Bonn könnte schon bald verlängert werden – bis ins Jahr 2050.

Um mit Bürger*innen und Politiker*innen über die Lärmbelästigung, aaabseits  zu sprechen, hatten DIE GRÜNEN Bergisch Gladbach am 2. September in den Stadtgarten Bensberg geladen. Der Anlass: Seit zwei Jahren hat die nächtliche Nutzung der „Startbahn 32, Ostabflug“ (Königsforstroute) stark zugenommen, vor allem durch Frachtflugzeuge. Regionale und überregionale Bürgergruppen wehren sich dagegen.

Rund 60 Betroffene und Aktive waren zu der Anhörung gekommen, um ihrem Unbehagen Luft zu machen: „Immer öfter fallen wir nachts aus dem Bett und schlafen auch nicht mehr ein, weil Tiefflieger im Minutentakt über uns hinwegdonnern“, so eine Bewohnerin des Bensberger Sattlerwegs. „Das verleidet uns unser Haus, das wir eigentlich so lieben.“ Ein anderer Betroffener beklagte seine Machtlosigkeit: „Wenn ein Nachbar abends mal etwas lauter feiert, rufst du die Polizei; die regelt das. Wenn dir dutzende von Frachtfliegern zwischen 0 und 5 Uhr den Schlaf und die Gesundheit rauben, kannst du nichts unternehmen. Nichts! Diese Ohnmacht macht dich komplett fertig.“

Die neu gegründete Intitiative „Bürger gegen den Nachtflug“ – im Stadtgarten Bensberg u.a. durch die Rösrather Dieter Stephan und Bernhard Meiners sowie Hery Saltzmann (Moitzfeld-Kleinhohn) vertreten – hat einen offenen Brief an alle Politiker*innen geschrieben, die im Rheinisch-Bergischen Kreis für Bürgermeisterämter kandidieren. „Fast alle haben geantwortet. Aber das ausführlichste und deutlichste Bekenntnis, unser Anliegen ernstzunehmen, kam von Frank Stein“, lobte Meiners den Bergisch Gladbacher Kandidaten, der von GRÜNEN, SPD und FDP unterstützt wird.

„Ich habe durch Ihren Brief, unseren Austausch und den heutigen Abend viel gelernt“, bedankte sich Frank Stein, der das Hearing im Stadtgarten initiiert hatte. „Und Sie können sich sicher sein: Ich werde das Thema als Bürgermeister zur Chefsache machen, mich selbst in die Fluglärmkommission setzen und dafür sorgen, dass alle Städte und Gemeinden der Region gemeinsam eine öffentliche Diskussion einfordern“, so der Kandidat.

Auch der grüne Co-Spitzenkandidat zur Stadtratswahl in Bergisch Gladbach und Kreisvorsitzende Maik Außendorf erklärte, den Fluglärm nach dem 13. September im Stadtparlament zu thematisieren und überparteiliche Allianzen zu suchen. „Im Rheinisch-Bergischen Kreis werden wir das Thema ebenfalls noch einmal mit Energie angehen“, versprach Friedhelm Weiß, 3. Stellvertretender Landrat und Kreistagsmitglied der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Als Mitglied der Fluglärmkommission verfolgt er das Thema seit Jahren. 

„Aber machen Sie sich nichts vor“, warnte der grüne Landtagsabgeordnete Horst Becker: „Die Fluglärmkommission wird zwar vom NRW-Verkehrsminister eingesetzt, ihr Rat aber meistens ignoriert. Wenn Sie sich nicht schnell und unüberhörbar zu Wort melden, werden interessierte Kräfte hinter den Kulissen bald Fakten schaffen. Wie damals, als der Nachtflug still und heimlich bis 2030 zugelassen wurde.“ Betroffene Bürger, PolitikerInnen und Gemeinden rief der Lohmarer Politiker auf, „jetzt öffentlichen Druck zu entfalten – und zwar direkt auf Ihre Bundestagsabgeordneten, egal welcher Partei. Denn die Entscheidung fällt letztlich in Berlin, im Bundesverkehrsministerium, und gilt dann bis 2050!“

Dieter Stephan weiß, dass es höchste Zeit zum Handeln ist: „Wir haben die Schlagzahl kräftig erhöht“, versichert der Vorsitzende des Bürgervereins Fluglärmschutz Rösrath. „Mit dem jahrelangen Sankt-Florians-Prinzip – Flieg nicht über mein Haus, sondern über die Nachbargemeinde – ist Schluss. Wir arbeiten jetzt entlang der gesamten Königsforstroute von Rösrath über Bensberg, Kürten und rund um den Flughafen zusammen, um den Nachtlärm vor 2030 zu mindern und danach zu stoppen“, so Stephan.

Abseits der generellen Klima- und Umweltproblematik, die mit Frachtflügen einhergeht, hat auch die Wirtschaft gute Erfahrungen mit einem Nachtflugverbot gemacht. Ein Bergisch Gladbacher Unternehmensberater, der auf den Handel mit Korea und Japan spezialisiert ist, machte den Aktiven Mut im Kampf gegen die Frachtfluglobby: „Ich habe in meinem Leben noch keinen Nachtflug gebraucht, um Waren von einem Tag auf den anderen nach Asien zu transportieren. Ich übernachte auch oft am Airport Tokio-Narita, einem der zehn größten Frachtflughäfen der Welt. Da kannst du bei offenem Fenster schlafen. Denn es herrscht absolutes Nachtflugverbot.“

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