Video sorgt für hitzige Diskussionen

Aus der Fraktion | GRÜNEN-Video zum Platzbedarf von Autos sorgt für hitzige Diskussionen in sozialen Medien

Ein Video von einer kleinen humorvollen Aktion der GRÜNEN in der Bensberger Schloßstraße hat auf Instagram große Aufmerksamkeit erregt: Es wurde bereits über 140.000 mal angesehen und über 700 mal kommentiert – teils mit heftigen Reaktionen und Unverständnis.

Das Video zeigt eine Person, die mit einem „Gehzeug“ eine kurze Strecke in der Schloßstraße zurücklegt. Dabei handelt es sich um einen Holzrahmen, mit dem ein Fußgänger dieselbe Fläche wie ein Autofahrer in Anspruch nimmt – eine Karikatur des enormen, zunehmenden Platzbedarfs für Autos. 

Hierzu ein paar Fakten:

Die durchschnittliche Länge neuer PKW hat sich von 4,09 m im Jahr 2000 auf 4,28 m erhöht, die Breite von 1,69 m auf 1,82 m. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Autos in Deutschland stetig zu: von 27 Mio. zugelassenen PKW im Jahr 1990 über knapp 40 Mio. im Jahr 2005 auf aktuell über 49 Mio. Ein Ende dieser Entwicklungen ist nicht absehbar.

Der verfügbare Platz in Städten wie Bergisch Gladbach ist jedoch begrenzt. Autos beanspruchen deshalb einen immer größeren Teil unseres öffentlichen Raums, der anderweitig genutzt werden könnte. Werden sie auf Geh- oder Radwegen oder im Kreuzungsbereich abgestellt, behindern oder gefährden sie andere Verkehrsteilnehmende und versperren die Sicht, vor allem auf und für Kinder. Parkverbote werden häufig missachtet, wie in der Schloßstraße. 

Dass der hohe Platzbedarf auch für die Autofahrenden selbst problematisch ist, zeigt sich in Bergisch Gladbach an den Protesten sobald Parkflächen zugunsten von Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität wegfallen sollen sowie an den regelmäßigen Staus im Berufsverkehr.

Hinzu kommt: Ein Auto steht im Durchschnitt mehr als 23 Stunden täglich ungenutzt und transportiert sonst trotz seiner enormen Masse meistens nur eine, selten mehr als zwei Personen. Es ist offensichtlich, dass es intelligentere Lösungen geben muss.

Wohnstraße mit dicht geparkten Autos, Häusern auf der rechten und viel Grün auf der linken Seite.
Autos beanspruchen große Teile des öffentlichen Raums – auch vor Grundschulen, wie hier in Kippekausen.

Genau diese Ineffizienz des Flächenverbrauchs macht das Video auf satirische Weise sichtbar – und löst wohl auch deshalb so starke Reaktionen aus.

Neben dem enormen Platzbedarf verursacht der Autoverkehr weitere ernstzunehmende Probleme: hohe Kosten, CO2-Emissionen, Lärm, Luftverschmutzung, Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer und eine zusätzliche Aufheizung der Innenstädte im Sommer. 

Dass Autos immer größer werden und ihre Zahl weiter steigt, ist kein Naturgesetz. Es ist vor allem die Folge von autozentrierter Verkehrspolitik. Die Alternativen sind bekannt: öffentliche Verkehrsmittel, Carsharing, Fuß- und Radverkehr.

Die Möglichkeiten hierfür sind begrenzt, aber noch lange nicht ausgeschöpft. Nicht jede Fahrt lässt sich mit Bus und Bahn oder dem Fahrrad zurücklegen, das Auto bleibt ein wichtiges Verkehrsmittel. Dennoch ist eine Reduzierung des Autoverkehrs möglich und notwendig: Viel mehr Menschen würden öffentliche Verkehrsmittel häufiger nutzen, wenn sie zuverlässiger wären. Zudem ergab eine Umfrage, dass 66% der Menschen in Bergisch Gladbach mehr Fahrrad fahren würden, wenn es bessere Radwege gäbe.

Diese Potenziale zu heben, ist selbstverständlich nicht Aufgabe der GRÜNEN alleine, wie in manchen Kommentare unter dem Video behauptet wird, sondern aller demokratischer Parteien.